Der durchschnittliche IQ liegt in jedem Alter bei 100, weil IQ-Tests altersnormiert sind. Tabellen, die behaupten, der IQ steige oder falle stark mit dem Alter, beruhen auf einem Missverständnis.
Der durchschnittliche IQ beträgt in jeder Altersgruppe genau 100. Das liegt daran, dass IQ-Tests altersnormiert sind: Jede Person wird mit Gleichaltrigen verglichen, nicht mit der Gesamtbevölkerung. Deshalb ist der Mittelwert für Kinder, Jugendliche und Senioren stets gleich. Ein scheinbarer Anstieg oder Abfall mit dem Alter ist statistisch herausgerechnet.
Kinder und Erwachsene erreichen denselben Durchschnittswert von 100, weil ihre Ergebnisse jeweils gegen die eigene Altersgruppe normiert werden. Ein achtjähriges Kind wird also nur mit anderen Achtjährigen verglichen. Ein IQ von 110 bedeutet bei einem Kind und bei einem Erwachsenen dasselbe relativ zur jeweiligen Altersgruppe. Absolute Denkleistung und IQ-Wert sind daher zwei verschiedene Dinge.
Ja, die tatsächlichen Fähigkeiten verändern sich, auch wenn der normierte IQ bei 100 bleibt. Die fluide Intelligenz, also schnelles Schlussfolgern und Problemlösen, erreicht ihren Höhepunkt früh, etwa Anfang 20, und nimmt danach langsam ab. Die kristalline Intelligenz, also Wortschatz und Wissen, steigt dagegen bis ins hohe Alter, oft bis in die 60er. Der Test gleicht diese Effekte durch Altersnormen aus.
IQ-nach-Alter-Tabellen sind irreführend, weil sie den Eindruck erwecken, der durchschnittliche IQ läge bei verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich hoch. Da Tests jedoch altersnormiert sind, bleibt der Durchschnitt immer 100. Solche Tabellen verwechseln oft rohe Testleistung mit dem standardisierten IQ-Wert. Aussagekräftig ist allein der Vergleich innerhalb der eigenen Altersgruppe.
Es gibt kein Alter mit einem höheren durchschnittlichen IQ, da der Wert dauerhaft auf 100 normiert ist. Betrachtet man die zugrunde liegenden Fähigkeiten, so ist die fluide Intelligenz in den frühen Zwanzigern am stärksten ausgeprägt. Wissen und Sprachvermögen wachsen dagegen über Jahrzehnte weiter. Insgesamt gibt es also kein einzelnes goldenes IQ-Alter.
| Altersgruppe | Durchschnitt (normiert) | Normalbereich | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Kinder (5-12) | 100 | 85-115 | Normierung gegen Gleichaltrige |
| Jugendliche (13-17) | 100 | 85-115 | Fluide Intelligenz steigt stark |
| Erwachsene (18-29) | 100 | 85-115 | Höhepunkt der fluiden Intelligenz |
| Erwachsene (30-49) | 100 | 85-115 | Kristalline Intelligenz wächst weiter |
| Erwachsene (50-69) | 100 | 85-115 | Wortschatz/Wissen oft am höchsten |
| Senioren (70+) | 100 | 85-115 | Fluide Intelligenz langsam rückläufig |